Dienstag, 23. Februar 2016

In der letzten Woche ...

... ist mir irgendwann aufgefallen, dass ich nur noch ein halbes Jahr die Erziehungsgewalt über mein Kind habe. Dann ist Schluss mit lustig. Dann ist er volljährig und ich habe ihm nichts mehr zu sagen.

Als ich ihm meine Erkenntnis näher brachte, erntete ich ein: "Ist noch mehr als ein halbes Jahr."
Gut, hat er recht. Ich bin auch immer der Meinung, dass alles ordentlich muss ... also es sind noch ungefähr ... ungefähr weil es ja ständig weniger wird ... sechs Monate und zwei Wochen bis mein Kind volljährig wird und sich meiner Erziehungsgewalt entzieht.

Heute Morgen um sechs sah meine Kind, wie es da so sass und auf sein Frühstück wartete, im Gegensatz zu sonst erschreckend wach aus. Als ich ihm diese Entdeckung kund tat, antwortete er: "Mir geht es aber gar nicht gut. Ich habe heute Nacht kaum geschlafen, Kopfweh, Halsweh und die Nase ist dicht. Irgendwie einfach krank."
Hhmmmm? Nicht schön, dachte es in mir. Was tun, dachte es weiter. Ich zog mich zum Durchwandeln weiterer Gedankengängen und zum Frühstück machen in die Küche zurück.
Kurze Zeit später stand ich wieder vor ihm und brachte ihm sowohl das Frühstück, wie auch meine Gedanken, in fraglicher Form, zu seinem Unwohlsein nahe: "Wie würdest du dich denn in dieser Situation in ungefähr einem halben Jahr und zwei Wochen entscheiden? Würdest du in die Schule gehen oder lieber zu Hause bleiben? Wir können ja schon mal üben?"
Das Kind schaute mich milde verblüfft an und erbat sich Bedenkzeit ... ging aber nicht in die Küche mir Frühstück machen ...
Die Bedenkzeit erbrachte, dass er heute zu Hause geblieben ist und tatsächlich für seine Verhältnisse relativ viel geschlafen hat.

Der große Mitbewohner, der Vater des Kindes, hatte dazu nur zu bemerken: "Aber du sitzt nicht den ganzen Tag vor dem PC."
Wollte ich auch erst zum Kind sagen, aber dann fiel mir auf, wie blöd das eigentlich ist. Denn mal ehrlich: Wo ist der Unterschied zwischen vor der Glotze hocken, wie wir das wohl fast alle tun, wenn wir nicht so krank sind, dass wir sowieso nur schlafen wollen, und vor dem PC hocken und Videos kucken? Ich sehe da keinen und darum habe ich dahingehend meinen Mund gehalten.

Die beiden männlichen Mitbewohner scheinen nicht wirklich von meinem "Wir-üben-volljährig-sein" überzeugt zu sein und keine große Lust darauf zu haben ... glaube ich zumindest von ihren Gesichtern und Verhalten abzulesen ... mir doch egal, ich finde es sehr vergnüglich.

Kommentare:

  1. Der Grosse wird jetzt bald 19. bei bestimmten Sachen bin ich immer noch der CHef;)). Aber letztes Jahr war ihm gar nicht so bewusst das er ab einen bestimmten Zeitpunkt für sich selber verantwortlich ist.

    Diesen Monat hat er gesagt , das er vielleicht die Probezeit auf der FOS nicht besteht,danach kam du meckerst ja gar nicht, weil von mir nur der Kommentar ob er sich Alternativen ausgesucht hat und ob ich da mit gehen soll. Tja habe ich gesagt du klar finde ich es nicht gut, aber es ist ja sein LEben.

    lg carlinda

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  2. Ja, es ist nicht einfach, wenn die Kinder dann Erwachsen sind und für sich selbst verantwortlich sind.
    Aber auch für uns ist es nicht einfach dann loszulassen. Mein Sohn hatte in der Lehre die Idee gehabt, danach für 3 Jahre und 1 Tag auf die Walz zu gehen. Heißt, das um seinen Heimatort eine Bannmeile von 50 km ist, die er nicht übertreten darf.
    Jetzt ist er schon 1 1/2 Jahre unterwegs und z.Z. in Afrika und nun freuen wir uns schon auf die nächsten 1 1/2 Jahre, wenn er endlich gesund wieder nach Hause kommt.

    LG
    Christel

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  3. mein nachwuchs ist seit mitte februar 18. schon seit mindestens 2 jahren konnte ich mir anhoeren: wenn ich erstmal 18 bin. er war wirklich aufgeregt die tage vorher - aber ich glaube, er hat festgestellt, dass sich nicht wirklich viel fuer ihn geaendert hat:) er kann nun selber alkohol und zigaretten kaufen, aber tut beides nicht. er koennte selbst entschuldigungen fuer die schule schreiben - aber das soll ich machen. nur - er kann waehlen morgen, das kann ich hier nicht (nationale wahlen = nur fuer leute mit irischem pass)! allerdings ist er darauf garnicht sehr scharf... nur die entscheidung, dass er sich mies fuehlt und einfach zuhause bleibt, die traf er auch schon vorher - wie zwingt man einen fast 18jaehrigen, zur schule zu gehen? naja, ich denke, die grosse aufregung ist vergangen, jetzt kommt nach und nach die erkenntnis, dass das erwachsensein nicht nur angenehm ist:)
    mitfuehlende gruesse von der gruenen insel
    Bettina

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