Donnerstag, 26. Mai 2016

Hat es etwas ...

... damit zu tun, dass das nicht mehr kleine Kind im September achtzehn wird und sich somit meiner Erziehungsgewalt entzieht? Dem nicht Loslassen können?

Oder hat es etwas mit der Stadt zu tun, in der wir leben? Die aus meiner Sicht und von mir gefühlt immer gefährlicher wird.

In letzter Zeit beschleicht mich immer öfter, wenn das Kind unterwegs ist, ein unangenehmes Gefühl ... um nicht zu sagen Angst. Angst ums Kind, dass ihm unterwegs etwas passiert.
Das kleinste Übel wäre, dass es beklaut wird. Materielle Dinge kann man ersetzen, aber eine angeschlagene Gesundheit nicht. Von dem Schaden, den die Seele in solchen Fällen nimmt, mal ganz abgesehen.

Diese Angst hatte ich früher nicht. Früher war ich aber selbst auch weniger in dieser Stadt, dem hochgelobten Berlin, unterwegs. Was ich in den letzten vier Jahren, in denen ich viel unterwegs war und gerade auch zu späteren Stunden und mitten in der Stadt, gesehen und erlebt habe ... von dem was man in den Zeitungen liest, will ich gar nicht reden ... reicht mir, um zu sagen: Früher war alles besser.
Früher war ich so gut wie nie ängstlich, wenn ich unterwegs war. Da habe ich mit Überzeugung gesagt: Wer mich klaut, bringt mich spätestens am nächsten Tag nach Hause.
Der gleichen Überzeugung war ich in Bezug aufs Kind. Diese Einstellung hat sich grundlegend geändert.
Berlin ist so laut, so voll, so hektisch und vor allem aggressiv geworden. Alle naslang torkelt einem ein Betrunkener/Betrunkene in die Arme. In Berlin fällt man am allerwenigsten auf, wenn man sich mit einer Flasche Bier bewaffnet. Die Bierflasche in der Hand ist quasi das Einstecktuch in der Brusttasche des Herren von früher und die Dame, die früher ihr Taschentuch fallen ließ, tut das heute mit der Bierflasche. Seltsame Kultur. Von wo die wohl eingeschleppt wurde?
Von den Drogendealern an jeder Ecke will ich gar nicht reden. Das alles und die Vielzahl von unterschiedlichen Kulturen, die ungebremst aufeinanderprallen, ergeben eine hochexplosive Mischung und die Faust oder auch das Messer schnellen ganz schnell aus der Tasche.

Es ist nicht so, dass es all das früher nicht gab, aber es war anders.
Der Drogendealer von früher war sich noch bewusst, dass das was er tut nicht in Ordnung ist und grub stillschweigen seinen Stoff aus der Sandkiste des Spielplatzes und verließ ebenso stillschweigend die Stätte. Das habe ich zu den Zeiten, als das Kind noch den Spielplatz besuchte, regelmäßig durchexerziert. Ich habe mich nie vor den Dealern gefürchtet. Die sich vor mir schon. Heute würde ich das nicht mehr tun. Heute bin ich froh, wenn mich die Dealer auf meiner Walkingrunde in Ruhe lassen und ich nicht mit dem Gehstäbchen drohen muss.
Ähnlich verhält es sich mit dem öffentlich trinkenden Teil der Bevölkerung und den Bettlern.
Die Trinker saßen still in ihren Ecken und haben sich das Hirn zugesoffen und sich allenfalls mal gegenseitig Prügel angedroht oder verabreicht. Heute muss man froh sein, wenn sie sich einem in der S-Bahn nicht auf den Schoss setzen, blöde anmachen und anfassen und einem nur vor die Füße und einen nicht direkt ankotzen. Von den wüsten aggressiven Beschimpfungen mal ganz abgesehen.
Bei den Bettlern reichte auch ein höfliche Nein und gut war es. Heute muss man aufpassen, wie viele es sind und wo sie überall sind und ein Nein wird als persönliche Beleidigung aufgefasst und dementsprechend angefasst und aggressiv sind sie.

Ich glaube das Kind sieht all das gar nicht, weil es seinen Fokus auf ganz andere Dinge richtet. Das ist auch gut so. Reicht ja, wenn ich mich graule, wenn er unterwegs ist. 

Kommentare:

  1. Genau Deine Ängste kann ich nachvollziehen.Meine Tochter wohnt in Köln,durch ihre hellblonden langen Haare schon auffällig,wandert auch noch im Dunkeln durch die Gegend.Meine Sorgen werden abgewiegelt....aber als "Oberglucke" muss man doch ermahnen und sich Sorgen machen!!!
    Lieben Gruß,Sabine

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  2. Da ist wohl was Wahres dran. Heute ist es viel gefährlicher in solchen Städten. Aber auch auf dem Land ist man nicht mehr sicher. Alles ist irgendwie gefährlicher geworden. Sorgen macht man sich aber immer. Egal, wie alt die Kinder sind und wo sie unterwegs sind.
    Liebe Grüße Ellen

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  3. da kann ich gut verstehen deine Änsgte die du jetzt siehst in Berlin... ich habe das in Hamburg letztens erlebt Grossstadt Bahnhof oder Jungferstieg isw da sBild hat sich geändert so wie du es beschreibst. Ich bin auf einer Seite froh niocht zuwissen was meine KInder machen in ihre Orte.
    Als ich mittags Fahrrad fuhr schrie zwei Junge Männer Heil Hitler mir zu und da sgegenteil eine Gruppe Flüchlinge junge Männer schauten mich mit bösartigen Augen an grusselig das hat es noch nie gegeben seit 3 Jahren davor auch hier verändert sich das Bild und doch bin ich froh noch unberührter zu sein wie in der Grossstadt.
    Die Sorge um dein Sohn ist berechtigt aber es nützt aber nichts sie gehen raus raus in die Welt und es muss man klein halten danach um sich nicht verrückt machen zu lassen.
    Ich mache mir auch Sorgen wenn mein Schatz in der Nacht vom Diensteinstatz kommt und es dauert länger weils die letzten Winkeln sind.
    Mutter oder Frau macht man sich seine Gedanken wie du sagst man siehts anders wie die Jungen, wir können die Gefahr spüren förmlich.
    Lieben Gruss Elke

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  4. So direkt muss ich das zum Glück nicht mehr erleben (habe viele Jahre in Adlershof gewohnt, in "Baume" gearbeitet und mich dort nie gegruselt)aber das möchte ich auch um nichts in der Welt mehr. Wenn ich mal in die Hauptstadt reise, wegen der unmöglichen Parkerei meist mit der Bahn, kommt mir das kalte Grausen, S- und U-Bahn kann man nicht mehr pöbelfrei fahren, von allem anderen ganz zu schweigen. Da verstehe ich Deine Sorgen ums Kind nur zu gut. Aber seine Erfahrungen muss jeder selbst sammeln, da ist Mutters Einfluss nur sehr begrenzt und meist auch total unerwünscht. Ich drück alle Daumen, dass Du ihm so viel Vernunft mit auf den Weg geben konntest, dass er weiß oder erkennt, wo Gefahr droht und solche Situationen und Gegenden möglichst meidet.
    Liebe Grüße und übe schon immer ein bisschen das Loslassen...
    Regina, die jeden Tag froh ist, jetzt auf dem Dorf zu leben!

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