Samstag, 11. März 2017

Die Geister, die ich rief ...

... so muss man das wohl nennen, was mir gestern widerfuhr.  

Mein ICE stand gestern zu der schon im Vorfeld angekündigten Verspätung - ups! nein, das war ja keine Verspätung, sondern eine Fahrplanänderung, da es schon ein Woche vorher bekannt gegeben wurde - irgendwo zwischen Berlin Spandau und Stendal 80 Minuten ziemlich dumm und vor allem still auf den Gleisen. Nichts mit der Umrundung eine landschaftlich hübsch gelegenen Sees oder so. Absoluter Stillstand mitten im Nichts ... kahle Bäume und Sträucher wenn man aus dem Fenster blickte. Was auch sonst um diese Jahreszeit.
Der nette Mann von der Bahn teilte und sehr schnell mit, dass wir leider einen kleinen Moment warten müssten, weil uns voraus auf dem Gegengleis ein Güterzug einen Gegenstand überfahren hätte und der Lokführer nun aussteigen und kucken muss, was es war und ob es Schäden gibt.
Nach geraumer Zeit teilte und der nette Mann von der Bahn mit, dass es noch nichts Neues gibt. Der Lokführer des Güterzuges im Moment nicht zu erreichen ist. Der Güterzug aber mit 600m relativ lang wäre und erst einmal abgeschritten werden müsste.
Ich nutzte die Zeit des Stillstandes für ein paar eigene Gedanken über den Gegenstand auf den Gleisen und für ein Schläfchen. Das Hörbuch auf meinen Ohren lullte mich ganz wunderbar ein.

Nach 70 Minuten Stillstand teilte uns der nette Mann von der Bahn dann mit, dass der ICE, der vor uns stand, nun ganz langsam auf Sicht an dem Güterzug vorbeifahren würde und wenn der sagt, dass die Strecke frei ist, würden wir ihm folgen. Wenn nicht, würden wir umdrehen, zurück nach Berlin Spandau fahren und man würde uns dann über die gewohnte Strecke durch die Baustelle, die der Grund für unsere Umleitung über Stendal und die daraus resultierende längere Fahrzeit war, leiten.

Die Strecke stellte sich dann als frei heraus und wir konnten endlich weiter. Der nette Mann von der Bahn entschuldigte sich ein weiteres Mal und wollte aus Rücksicht auf die vielen mitreisenden Kinder im Zug nicht näher auf den überfahrenden Gegenstand eingehen. Womit klar war, dass sich wieder mal irgendein Idiot armer Mensch vor einen fahrenden Zug geworfen hat. 

Mein Mitgefühl gehört dem armen Lokführer! Ich kann es verstehen, dass man genug von seinem Leben hat - ich habe schon zweimal ernsthaft darüber nachgedacht, wie ich meins vorzeitig beenden kann, bin aber zu keinem wirklich sicheren und Mitmenschenfreundlichen Ergebnis gekommen -, aber ich kann es nicht verstehen, dass man anderen Menschen mit dieser Absicht und dem tatsächlichen Tun Schaden zufügt. Was kann der arme Lokführer, der mit Sicherheit eine ganze Weile an der Verarbeitung dieses Unfalls zu knabbern hat, für das Leben und den Überdruss daran, eines Lebensmüden? Nichts!
Von mir aus kann jeder mit seinem Leben machen, was er möchte. Es auch gerne vorzeitig beenden. Dann aber bitte so, dass andere nicht darin involviert werden. Reicht wenn irgendjemand hinterher aufräumen muss. 

Kommentare:

  1. da nicke ich dir nur zu für mich war es jedes Mal ein Schock im Zug zu sitzen und so was mit erleben zu müssen und wie geht es erst recht dem Lokführer.. grummel!
    Lieben Gruss Elke

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  2. verstehen man man solche Leute NIE..
    möchte ich NIE erleben müssen..

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  3. Ja, der Alptraum aller Lokführer, schlimm, sie haben da auch mein vollstes Mitgefühl. Ich durfte das mal live (auf einem Bahnhof) miterleben und bis heute (ist gut 50 jahre her!) hat es mich nicht losgelassen. Mein Verständnis für diese Art mit dem Leben abzuschließen hält sich auch in sehr engen Grenzen... Sei froh, dass er sich nicht Euren Zug ausgesucht hatte, das hätte dann viel, viel länger gedauert...
    Hab eine friedliche Woche - liebe Grüße
    Regina

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