Montag, 10. April 2017

Hochzeitsnachlese

Ich habe mir überlegt, dass ich für alle Neugierigen Interessierten eine kurze lange langweilige Geschichte darüber schreibe, wie unsere Hochzeit so ungefähr war. Alle Nichtneugierigen Uninteressierten können darüber hinweglesen. 

Der Tag begann mittelfrüh und ganz entspannt. Wir hatten, bis auf die frischen Brötchen vom Bäcker, alles zusammen, was wir brauchten. Als Bonusmaterial sogar einen vernünftigen "Plan" wie wir das Bad unter uns Dreien aufteilten ... nicht dass das sonst Schwierigkeiten bereiten würde, wenn wir denn zu dritt mit einem Bad sind. 
Das erste Spannende, das an diesem Tag geschah, war der Umstand, dass mein Kind meinen Geburtstag vergessen hatte. Das war nun schon das zweite Mal in seinem Leben. Na gut, beim ersten Mal war der Fall noch anders gelagert. Da weigerte er sich schlicht anzuerkennen, dass ich Geburtstag hatte. Warum auch immer. Da war er vier, aber sehr bestimmt in seiner Ablehnung. Im Grunde kann das Kind aber nichts dafür. Das Gen hat er von mir. Ich habe den Gatten, damals war er weder der Gatte, noch nicht mal der Herzallerliebste - naja, vielleicht schon, nur war es zu diesem Zeitpunkt noch nicht in meine Bewusstsein vorgedrungen - zweimal an seinem Geburtstag angerufen, stundenlang (ja, das haben wir früher getan, das war noch richtig teuer, weil da noch nach Minuten abgerechnet wurde ... außerdem hatte das Telefon noch eine Strippe dran und meine war immer vertüddelt, weil ich für meine Kringel, die ich beim Telefonieren laufe, immer in dieselbe Richtung einschlage) mit ihm telefoniert, mich gewundert warum der Kerl so seltsam ist. Nachdem ich aufgelegt hatte, kam mir dann beide Mal die Erkenntnis, dass es vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass er Geburtstag hat und ich dies mit keiner Silbe erwähnt habe. Ich habe ihn im Anschluss an diese mich jäh treffende Erkenntnis mit hochroten Kopfes (was er aber nicht sah) noch einmal angerufen und ihm gratuliert ... das Kind kann also nichts dafür. Es liegt an mir. 

Jaja ... ich mache ja schon ... wir gehen jetzt heiraten. 

Der Tag begann neben mittelfrüh und ganz entspannt auch mit dem allerschönsten Wetter, das man sich für solch einen Tag nur wünschen kann ... Sonne und strahlend blauer Himmel. Richtig kitschig bilderbuchmäßig. Einer Hochzeit im Schloss würdig. 

Normalerweise hätten wir ganz bequem zum Schloss laufen können, aber da wir im Anschluss an die Trauung gleich weiter zum Essen wollten, nahmen wir das Auto und mussten feststellen, dass der uns zustehende Parkplatz direkt vor dem Schloss noch besetzt war. Nicht schlimm. Nahmen wir einen von den Behindertenparkplätzen und gingen die fünfeinhalb Schritte zu Fuß. Wir waren natürlich wie immer viel zu früh, aber andererseits auch die letzten. Denn unsere ganzen Hochzeitsgäste (klingt schlimmer als es war - mit vier, das Kind hatten wir selbst dabei, war die Zahl sehr übersichtlich) waren schon da. Was ganz erstaunlich war, weil alle einen leichten Hang zum Kurz vor Knapp Kommen haben. Einander vorgestellt waren sie ob der Übersichtlichkeit auch ganz schnell und so hatten wir noch genügend Zeit über die beiden Brautpaare, die vor uns dran gewesen waren, zu lästern. Zusehen gab es bei denen nämlich genug. Von gebückt durchs Rosenspalier laufen, über gemeinsam mit der kleinstmöglichen Schere ein größtmögliches Herz aus einem alten Laken schneiden und er arme Bräutigam muss die Braut dann auf seinem Armen durch dieses Herz tragen und angeleitete überhaupt nicht gestellte Hochzeitsfoto mit Hilfe einer Fotografin und großzügig Sekt verplempern, war alles zu sehen. Was war ich froh, dass ich diesen Mist nicht über mich ergehen lassen musste. Kannte ich von meiner ersten Hochzeit ... Oh! Wie war das schrecklich! Nicht meins!!!, aber bei anderen zu schauen ist sehr vergnüglich. 
Irgendwann war dann unsere Hochzeitszeit dran und so strebten wir ins Innere des Schlosses. Wir mussten noch ein bisschen warten, weil die Trauung direkt vor uns noch nicht fertig war. Wir waren aber auch noch nicht fertig. Wir mussten erst einmal in den Keller des Schlosses und uns unserer unnützen Jacken und der restlichen lebensbegleitenden Dinge, die man zum Heiraten nicht unbedingt braucht, entledigen. Der eine oder die andere musste nochmal aufs Klo. Ich nicht. Ich nahm schon mal den Weg nach oben, aber nur um oben angekommen, gleich wieder umzukehren und wieder in den Keller hinabzusteigen und meinen Brautstrauß zu befreien, den ich in der Garderobe vergessen hatte ... irgendwas ist ja immer. 
Wir vertrieben uns noch ein bisschen die Zeit und kuckten hier da im Schloss herum. Die Besichtigung hatten wir quasi mitbezahlt ... ich musste leider feststellen, dass sie mein Schloss saumäßig geputzt hatten ... da fuhr ich doch ganz gelangweilt verträumt mit dem Finger einen Vorsprung in der Holzverkleidung entlang und musste danach feststellen, dass der ziemlich staubig war (ich glaube, ich muss Ostern mal nachkucken gehen, ob meine Spur noch da ist)
Hach ja und dann läutete doch tatsächlich das Glöckchen, was hieß, das losgeht und wir uns an den Aufstieg zur Bibliothek machen konnten. Oben empfing uns die Standesbeamtin, deren Deo um kurz nach halb zwölf schon deutlich am versagen war, was aber seltsamerweise nur mir aufgefallen ist, begrüßte uns und bat uns herein und Platz zu nehmen. Nachdem alle Hühner Beteiligten in einer Reihe platziert waren, es war ja jedem ein Platz in der ersten Reihe versprochen worden, zur besseren Orientierung - rechts von mir saß der da noch zukünftige Gatte und links von mir saß mein Kind, ging es auch schon los.

Die Standesbeamtin begann mit irgendeinem Gleichnis über die Ehe von irgendjemanden. Den Namen des Irgendjemanden habe ich auf der Stelle vergessen und weil ich mir dachte - das kann dauern und der Gatte in Spe recht angespannt war und ich tatsächlich ziemlich entspannt, griff ich beherzt nach rechts zu seiner linken Hand, hielt ihm von fortan sie und lauschte dem Gleichnis. 
An manch einer Stelle hätte ich gern laut gelacht, weil es eigentlich so gar nicht auf uns passte ... zu behaupten ab jetzt wäre immer ein Kompass zur Hand und wir würden uns nicht mehr verirren, weil nun immer einer den Weg finden würde. Muhaha ... aber woher soll sie wissen, dass wir uns selbst mit Kompass erst einmal in der Telefonzelle verlaufen. An der unserer zeitweiligen Orientierungslosigkeit wird die Ehe auch nichts ändern. Und wenn doch, will ich wieder geschieden werden. Verlaufen/verfahren ist immer sehr lustig. 
Da gab es noch so einiges, was mich erheiterte und ich war froh meine großen Schwester nicht anschauen zu müssen ... ich hätte sonst wahrscheinlich nicht mehr an mich halten können. 
Meine Erheiterung dauert aber nur so lange bis ich merkte, dass es links von mir, also mein Kind, gar heftig schniefte. Uh! Das Kind war ganz furchtbar angefasst, was das Mutterherz sofort schneller schlagen ließ. Also flugs den Brautstrauß aus der Hand und möglichst sturzsicher auf dem Schoss abgelegt und einen beherzter Griff nach links getan und die nächste Hand gehalten.
Die Standesbeamtin kam über Hölzchen und Stöckchen und Klötzchen zum Kern der Veranstaltung und bat uns für Jawort aufzustehen. Eine gute Gelegenheit für die Braut im Täschchen zu kramen, ein paar Taschentücher zu verteilen, sich selbst die Nase zu putzen und sich dann sortiert zum Jawort aufzustellen. Ich war mir nicht so sicher, ob ich an der Stelle etwas herausbekomme. Was auch immer. Als ich dann auch noch hörte mit welcher Inbrunst der Gatte Ja sagte (was ihm ein allgemeines leichtes Gelächter einbrachte ... jaja, das ist der Preis, wenn man die Liebe seines Lebens doch noch heiraten darf), räusperte ich mich innerlich fünf bis zwölf mal und rief den Gott der Stimme an und bat ihn, dass er mir jetzt nicht von der Seite weichen möge. Er erhörte mein Flehen und verließ mich nicht. Mein Ja war sicherlich nicht ganz so inbrünstig, aber ganz okay ... glaube ich zumindest. Jedenfalls wurde es anerkannt. Dann durften wir uns küssen und die Ringe tauschen. Der Gatte hatte ein paar Schwierigkeiten meinen Ring auf den Finger zu schrauben. Ich löste die allgemeinen Ungeduld mit der Bemerkung "Das falsche Gewinde" in allgemeine Heiterkeit auf. 

Die Standesbeamtin saß danach da, schaute mich an, grinste, schüttete den Kopf und sagte: "Ja, klar. Das falsche Gewinde." Ja, genau. Hätte sie selbst auch schon früher drauf kommen können. War schließlich nicht ihre erste Trauung und der Gatte bestimmt nicht der erste der den Ring nicht auf Anhieb auf den Finger der Tagesliebsten bekommt.
Danach gab es dann nur noch die Formalitäten. Sprich das Unterschreiben der Eheurkunde und die Standesbeamtin hat uns aufgeklärt, warum wir uns nicht ausweisen mussten. Darüber hatte ich mich von Anfang an gewundert. Es hätte schließlich jeder kommen können und sagen wir sind die und die und wollen jetzt heiraten. Die Standesbeamtin hat auf unsere Ausweise verzichtet, weil sie sich noch gut an uns erinnern konnte, als wir bei ihr den Eheantrag gestellt haben ... wir müssen schwer Eindruck bei ihr gemacht haben jenem Tag ... nach dem Gewinde würde sie mich wahrscheinlich, wenn sie in Ahrensburg wohnen würde, noch in einem halben Jahr grüßen, wenn wir uns auf dem Markt treffen würden.
Da war es im Grunde. Die Standesbeamtin hat noch ein paar schlechte Bilder von uns allen in der schlösslichen Bibliothek gemacht und wir danach vor dem Schloss. Aber alles ganz klein und wenig (weil alle Hunger hatten) und mit Selbstauslöser. 

Ich musste auch beim Verlassen des Schlosses ein zweites Mal in die Garderobe hinabsteigen, weil ich meinen Brautstrauß vergessen hatte ... irgendwas ist ja immer.

Für alle die bis hierher ausgehalten haben, gibt es zur Belohnung ... oder zur gänzlichen Abschreckung von diesem Blog ein Bild vom Paar ... glücklichen Paar!



Kommentare:

  1. Ach watt schön, seufz... Und das mit dem Gewinde hat sich hoffentlich inzwischen auch geklärt ;-))
    Dann bleibt ja nur, Euch nach diesem fulminanten Start alles Glück der Welt zu wünschen, dass die Harmonie auch bei späterer Wohngemeinschaft lange, lange bestehen bleibt!
    Alles Liebe - Regina

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  2. nee, nee - da wäre ich doch gerne Mäuschen bei Euch gewesen. So wie Du es schilderst, ich hätte Dich auch nicht ansehen dürfen, weil ich vor Lachen bestimmt geplatzt wäre. Aber vorher noch die anderen anschauen, das hätte mir auch gefallen. Wir waren ja damals die einzigen, naja, wer heiratet auch im tiefsten Winter bei Eis und Schnee einen Tag vor Silvester. Liebe Grüße von Christiane

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  3. Ich freue mich für Euch. Alles Gute. LG Juluane Fadenwirkerin.

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  4. Irgendwas ist ja immer ;)))
    Klingt nach einer entspannten und lustigen Hochzeit .
    Euch viel Glück
    lg carlinda

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  5. Danke für die herrlich zu lesende Nachlese.
    Lieben Gruß,Sabine

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  6. dankeschön für diese tolle Hochzeitsgeschichte die wieder mal echt pias Ursprung raus stammt .. so ist pia wie sie lebt und ich finds grossartig und euch Zwei mal zu sehen ein tolles Parr seit ihr und die Liebe spürt man!
    Nochmal alles Glück der Welt für euch Zwei!
    Lieben Gruss Elke

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  7. Schööön! Und die Liebe des Lebens doch noch heiraten dürfen ... ein so schöner Satz. Und ein schönes Paar seid ihr!
    Alles Gute mit oder ohne Verlaufen! :-)
    Linda

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  8. Endlich habe ich mit Ruhe dies Hochzeits-Nachlese-Story genossen und beglückwünsche dich von ♥ für den Entschluss, den Liebsten zu ehelichen.
    Ihr seid ein so schönes Paar!
    Und das Glück strahlt aus euren Blicken.
    Behaltet euch diesen Augenblick und wenn mal ein rauher Wind wehen sollte, dann denkt an diesen Augenblick.
    Liebe Grüße

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  9. Ach, schön.........!
    Seht toll aus, so als Paar zusammen.

    Möge die Liebe euch über alle Schlaglöcher tragen!!!!

    Ich habe auch manchmal Probleme mit dem Gewinde, lach. Obwohl der zu Silberhochzeit erneuerte Ring doch eigentlich gut passen sollte. Strafe der Eitelkeit. Ich habe wohl die Ringgröße in der Hoffnung auf Altersschrumpfung etwas knapp kalkuliert.

    Liebe Grüße
    Nula

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