Sonntag, 23. April 2017

Ich kündige

Jawoll! Ich kündige! Ich ziehe aus! Ich habe die Nase so voll von mir! Ich mag nicht mehr mit mir zusammenleben!

Ich bin nur noch nörgelig. Hab immer und an allem etwas rum zu meckern. Nichts kann man mir recht machen. Nee, ich mir auch nicht. Ich bin ständig schlecht gelaunt und mürrisch. Hab jeder Zeit nur ein unfreundliches Wort für jeden parat. Zum Freuen geht ich in den dunkelsten, tiefsten Keller und weil ich faul bin, gehe ich natürlich nicht nach dort unten. Bin ja nicht blöd. Nur depressiv. 


Wie ich diesen Zustand hasse! Wie gerne ich etwas dagegen tun würde, aber die jahrelange Erfahrung zeigt, dass es da nicht viel zu tun gibt. Einfach weiter machen, aushalten und warten bis es besser wird. Unterwegs nicht verzweifeln und hoffen, dass immer mal wieder der wache, nicht depressive Teil zum Vorschein kommt und ein wenig Balsam auf die geschundene Umwelt streicht. Die können nämlich alle ... der Gatte, das Kind, im Zweifelsfalle sogar meine Mutter ... nichts dafür, dass sie so sind, wie sie sind und mir momentan ganz furchtbar auf den Wecker gehen und ich das, was ich sonst für sie leiste, im Moment im Grunde nicht leisten kann ... es aber trotzdem irgendwie tue ..., weil ich genug mit mir selbst zu tun habe. 

Es ist zum Glück noch nicht ganz so schlimm wie sein könnte. Noch funktioniere ich. Ich habe in den letzten drei Tagen sogar auffallend gut geschlafen, was in markant depressiven Phasen ... die Depression gehört schon seit vielen Jahren zu meinem täglichen Begleiter, mit dem ich mich die meiste Zeit ganz gut arrangiert habe ... sonst nicht der Fall ist. Die schwer depressiven Phasen sind an sich schlaflos. Wozu sinnlos Zeit verschlafen, die man viel besser für negative, selbstzerfleischende Gedanken nutzen kann. 

Es ist, obwohl alle wissen, dass es so ist, immer noch schwer zuzugeben, dass mich die Depression mal wieder schwer am Bein gepackt hat. Die hilflosen Gesichter, die mich dann ankucken, sind furchtbar und machen es noch schlimmer. 
Die, an sich nette, Frage: Was kann ich dir Gutes tun, damit du dich freust und es dir besser geht?, finde ich furchtbar. Sie setzt mich unter Druck, macht mich hilflos, traurig, einsam. Ich habe darauf nämlich keine Antwort. Kann den anderen nicht helfen und ihnen eine Brücke zu mir bauen. Denn wenn ich es wüsste, hätte ich es schon getan und die Frage würde gar nicht auftauchen und ich diesen Blogeintrag nicht schreiben.  

Depression ist eine saublöde Krankheit. Depression macht in erster Linie einsam, weil es die wenigstens verstehen können. Weil ihr immer noch das Stigma, dass man was am Kopf hat, anhängt. Hat man einen verletzten Arm oder ein verletztes Bein oder etwas am Herzen, zu hohen Blutduck, Zucker oder irgendetwas anderes, dass gesellschaftsfähig ist, können die Menschen viel besser damit umgehen. 
Hat man ein kaputtes Bein, geht selbstverständlich jemand für einen einkaufen. Ist man depressiv und kommt gar niemand auf den Gedanken es für einen zu tun. Obwohl man manchmal die Hilfe genauso nötig hätte. 

Kommentare:

  1. seufz ich kann das gut verstehen weil mir geht es genauso dieses miese Laune die nicht weg gehen will nur für kurz dhainter steht udn wieder zu schlägt... grantig zu allem sogar die Musik regt mich auf oder sonst was ... es ist die Kralle die ienen packt und nicht wieder eghen lässt moment. Weiter leben weite rmachen aber neimand weis wie es zentnerschwer bedeutet alles normal erscheinen zu lassen .Ich müsste der glücklichste Mensch sein ich müsste tu es aber Moment nicht, laut schreien eher alles ist sch*****... da sgeht dir betsimmt auch so du müsst Glücklich mit der Heirat doch wenn die eiserne Kralle zushclägt ist alles irgendwo udn nicht dort wo man es von aussen erwartet. Es ist eine schwere Bürde aber du weist es wird auch wieder anders werden ich genauso .. so gehe ich gerne mti auf deienn Weg bis es gut ist und wir schmeissen alles über Bord und lachen dann drüber..
    sei gegrüsst Elke

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  2. Wie gut ich dich verstehe. Es ist schrecklich und unerträglich aber mam kann es nicht ändern. Nur, wie du schon sagst, man muss durch. Es hilft nichts.
    Das Unverständnis wenn man nicht kann. Wenn nichts geht.
    Danke dir für diesen Eintrag und der Wunsch von mir für dich - das du nicht noch tiefer rutschst.

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  3. diese Phase habe ich vor fast 30 Jahren gehabt, es war mir alles zu viel, jeder der irgendetwas sagte hat mich damals fast zum Weinen gebracht und ich kam nicht raus aus meiner Haut. Dann war ich fast 6 Wochen zu Hause, habe mich total schlecht gefühlt, jeder gut gemeinte Ratschlag war schon zu viel. Ich weiß heute nicht mehr, wievielen ich damals vor den Kopf gestoßen habe, ich ging nicht ans Telefon, habe keinem Klingeln geöffnet und am liebsten nur noch die Decke über den Kopf gezogen. Meinem Schatz ist es aber mit Hilfe meiner sehr einfühlsamen damaligen Ärztin gelungen, mich aus diesem Tief herauszuholen. Es ist so sehr schwierig, aber Pia Du bist doch eigentlich eine Person, die so viel über schöne Dinge blogt und auch vieles unternimmst und jetzt hast Du noch einen ganz lieben Ehemann, zwar nicht die ganze Woche, aber doch oft an Deiner Seite, da muß es Dir doch besser gehen. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen und wenn Du magst, melde Dich jederzeit auch bei mir, vielleicht hilft ja auch ein wenig reden. Liebe Grüße und mach Dir keinen Kopf - Du bist nicht allein. Liebe Grüße von Christiane.

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  4. Ich hoffe es wird Dir bald wieder besser gehen.
    Lieben Gruß,Sabine

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  5. Ja, leider sieht niemand in einen hinein, und so wird man oft verurteilt und was weiß ich alles. Es wäre einfacher, sich ein Bein zu brechen, als seelische Probleme oder Depressionen u. ä. zu haben. Das sieht niemand und man ist damit total allein.
    Liebe Grüße und alles Gute!
    Linda

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  6. Ich wünsche dir viel Kraft zum durchhalten.
    Ich verstehe dich, ich weiß, wovon du sprichst, ich bin selbst eine Betroffene.
    Ich war gerade 20 Jahre alt, als es los ging.Jetzt bin ich 67 Jahre alt.
    Damals wusste man noch nicht gar so viel über die verschiedenen Arten der Depression.
    Heute versuche ich damit klar zu kommen.
    Trotzdem, ein dauerndes Auf und Ab.
    Ohne Medis geht es nicht.
    Gottseidank gibt es sie.
    Ich schicke dir eine Umarmung.
    Liebe Grüße

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  7. ........es ist sehr gut, dass du über deine Depression gebloggt hast. Viele Betroffene verstehen dich gut und können dir trotzdem nicht helfen und dich auch nicht trösten.
    Von mir einmal Umarmen, einmal Drücken und wenn es erlaubt ist einen fernen Kuss.

    Liebe Grüsse Traudel

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  8. Oh weh das hört sich nicht gut an. Aber ich finde es schön wie gut und offensiv du damit umgehst.
    Ich bin grad mit meinem Sohn in der Psychiatrie. ..auch er leidet unter Depressionen. ...
    Und wenn ich was gelernt habe dann ist es in der Tat ...IMMER WEITER MACHEN.
    Liebe Grüße und einmal liebhalt
    Claudia

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  9. Diese Phasen kenn ich , das schlimme sind die guten Ratschläge...... geh doch raus das wird wieder ...blablabla.
    Drück dich aus der Ferne carlinda

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  10. .. wie du schon geschreiben hast und du es auch selbst weißt... es kommen wieder Tage mit Sonnenschein...
    fühl dich einfach umarmt und lieben Inselgruß
    Kerstin

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  11. Hallo,

    ich kann dich gut verstehen, auch wenn ich selbst nicht betroffen bin. Naja, indirekt schon. Unser Sohn hat Depressionen und ich empfinde mich als codepressiv. Momentan geht es ihm sehr gut und wir hoffen darauf, das es eine Pupertätsdepression ist. Diese Hoffnung ist sehr groß und ich glaube auch er hofft das es so ist. Das letzte Jahr war ein schlimmes Jahr für uns alle und ich habe mich sehr viel mit dem Thema beschäftigt. Es ist so schwer für Außenstehende das zu begreifen, wenn es ihm schlecht geht und er fast am Leben verzweifelt. Vor allem, weil eigentlich ja alles in Ordnung ist. Das einzig Gute ist, dass seine Freunde ihn nie im Stich gelassen haben und immer für ihn da sind. Sie haben mit uns zusammen ein Netzwerk aufgebaut, das wir sofort informiert werden, wenn etwas nicht in Ordnung ist.
    Ich finde, das aber die Krankheit Depression immer mehr zum Thema wird und wenn man offen damit umgeht viele sehr gut damit umgehen, zumindest ist es uns so gegangen. Es haben alle zusammen geholfen und haben auf ihn aufgepasst, damit er nicht blödes anstellt, wenn es ihm schlecht geht. Wir haben aber auch das Gegenteil, auch einen jungen Mann mit Depressionen, der es niemandem sagt und da sind die Launen die er hat nicht wirklich gut zu händeln, weil ja niemand Bescheid weiß was mit ihm los ist. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass seine Freunde, wenn man ihnen erklärt was die Krankheit mit ihm macht, es sehr gut verstehen.
    Trotzdem hast du recht, viele verstehen es nicht und meinen mit Worten wie, "stell dich nicht so an" oder " ich weiß nicht was du hast, dir geht es doch gut" den richtigen Ton treffen. Aber das stimmt einfach nicht. Bei unserem Sohn haben wir festgestellt, ihn in Arm nehmen, für ihn da sein, ist in dem Moment das Beste was wir für ihn tun können. Nicht reden, sondern einfach nur da sein.

    Fühle dich von mir in den Arm genommen, mehr können wir nicht tun. Du hast schon einen richtigen Schritt getan und hast hier geschrieben, das ist der erste Weg wieder ein besseres Gefühl zu bekommen, auch wenn es wieder mal bergab geht.

    Liebe Grüße
    Martina

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  12. Ich finde es gut, dass du offen mit dem Krankheitsbild umgehst. Und ich kann es dir gut nachfühlen. In den schlimmen Phasen möchte ich das Haus nicht verlassen. Ich kämpfe mich an den Tagen morgens mit kaum vorhandenen Kraftreserven zur Arbeit und abends schleppe ich mich nach Hause. Ich schimpfe vor mich hin, meckere jeden Raucher an, der mir seinen Rauch vor die Nase bläst und zu Hause mache ich nichts außer vorm Fernseher zu sitzen und versuchen mich in den schlaf zu bringen. Selbsthypnose, Autogenes Training und so aber meistens klappt es nicht. irgendwann schlafe ich vor lauter Erschöpfung ein. Ich koche dann auch nicht richtig für mich und stopfe alles unkontrolliert in mich herein. Ich habe zur Depression auch noch mit Binge Eating, einer Essstörung zu tun.
    Ich war letztes Jahr für 3 Monate in einer Fachklinik und im Moment geht es mir einigermaßen gut. Aber den Alltag zu bestehen ist schwer.
    Die Psychologin hat uns geraten ein Positiv-Tagebuch zu führen. Da sollen nur positive Erlebnisse eingetragen werden und wenn es schlimme Situationen gibt, sollen wir darin lesen.
    Wir sollten auch etwas tut, was gut tut und uns aus der Negativspirale heraus holt. Da muss sich jeder suchen, was er gerne tut. Ich für meinen Teil kann mich mit Handarbeiten beruhigen. Maschen zählen kann meditativ sein. Und letztes Wochenende habe ich mich mit konzentriertem nähen von meiner Gedankenwelt abgelenkt.
    Am schlimmsten packen mich Selbstzweifel und Selbstkritik. Ich gehe nicht nett mit mir um. Ich habe oft zu hohe Anforderungen an meine eigene Leistung. Und ich fühle mich angesprochen, wenn Kritik am Team ausgesprochen wird. Ständig hinterfrage ich meine Arbeit. Auch heute wieder. Hätte ich das nicht sagen sollen (der Kunde hatte das Telefon weggelegt aber nicht aufgelegt und ich habe gesagt ich hasse alte Säcke)? Erst danach habe ich gesehen, dass das Gespräch noch dran war. Ok der Kunde hat seinen Alterstarrsinn in unserem Gespräch ausgelebt. Aber ich hätte nicht laut schimpfen dürfen, auch wenn er noch so Beratungsresistent ist.

    Du bist nicht alleine. Auch wenn es kein Trost ist. Ich kann dir nur eines raten, nimm dir Zeit für dich, bitte um Verständnis bei deiner Familie, dass du grade nicht rund läufst. Such dir einen Wohlfühlort wo du hingehen kannst um zu dir selbst zu finden. Hinterfrage, welcher Gedanke das böse Gefühl ausgelöst hat, kannst du den Gedanke umlenken? Wichtig ist aber, dass du weißt, du bist kein schlechterer Mensch. Du hast viele Stärken aber auch ausbaufähige Stärken, so wie wir alle.

    Du schreibst so gut, schreib dir alles von der Seele, Tagebuch führen kann manchmal befreiend sein.

    Fühl dich gedrückt.
    Viele Grüße
    Fiene

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  13. wie gut ich dich verstehe.
    es geht weiter, immer weiter........ du kennst das ;-)

    ein grüßle zu dir umme ecke
    Flo

    (kündigen.....super idee, ich kündige spätestens morgen meinem nicht vorh. nächtl. schlaf, schaun mer mal, vielleicht klappts ja danach besser)

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